Freitag, 13. März 2009
Anders sein (Teil 2)
tolomeo, 18:11h
Als ich aufs Gymnasium kam, war mir klar, dass ich schwul bin. Es war aber für mich persönlich eigentlich nur noch ein weiterer Mosaikstein, den ich meiner bestehenden Sammlung an Facetten meiner Andersartigkeit quasi nur noch hinzufügen musste.
Ich hatte ja schon das "Stigma" des "Mädchenverstehers" bei den anderen Jungs weg und auch die Tröstungsversuche meiner Eltern, die mir klarzumachen versuchten, dass die anderen Jungs mich um meinen Draht zu den Mädels eines Tages echt beneiden würden, nämlich dann, wenn sie selbst auch anfangen würden, sich für Mädchen zu interessieren und dann nicht wüssten, wie sie mit denen vernünftig in Kontakt treten könnten, halfen mir dabei nicht wirklich weiter. Hielten meine Eltern mich damals für besonders frühreif und damit für einen raffinierten kleinen Casanova? Ich wusste ja, dass ich mich nie so für Mädchen interessieren würde können, wie es eigentlich eines Tages von mir erwartet werden würde.
Dann war da noch mein seltsamer Musikgeschmack: Bei mir war da nix mit Hiphop, Gangsta-Rap oder Gott weiß was noch für einem Kram, den die meisten anderen Jungs ständig hörten. Und die Boygroup-Manie meiner Freundinnen konnte mich, abgesehen von einigen netten optischen Eindrücken, auch nie voll zufriedenstellen - wenngleich diese Musik auch deutlich hörbarer war, als das Zeug, was die Jungs cool fanden (ob sie das wirklich mochten oder es nur hörten, weil es "in" war, habe ich nie herausgefunden).
Ich hatte nur recht schnell gelernt, meine Musikvorlieben (klassisches Klavier, Konzerte, Barockmusik, später dann auch noch Opern aller Art) im Kreise meiner Klassenkameraden nicht weiter zu thematisieren, weil ich gemerkt hatte, dass dieser Musikgeschmack derart absonderlich und außergewöhnlich für einen Jungen meines Alters war, dass ich damit stets nur Schulterzucken und Kopfschütteln erntete (im positivsten Fall!) - es brachte einfach nichts, sich darüber mit irgendwem aus meinem schulischen Umfeld zu unterhalten. Es interessierte niemanden und ich wirkte durch meine Begeisterung dafür umso mehr wie ein weltfremder Freak… Was hätte ich damals für einen Freund gegeben, mit dem ich dieses Hobby, diese Leidenschaft für Musik gemeinsam gehabt hätte!
Mit meiner Lesebegeisterung sah es ähnlich aus - ich war zeitweise wirklich das, was man als eine typische Leseratte bezeichnen konnte, ein spannendes Buch und ich war für Stunden/ Tage nicht mehr ansprechbar… naja, zumindest das konnten einige meiner Freundinnen nachvollziehen…!
Mit 12 oder 13 erwachte dann auch noch mein Interesse für Mode, verrückte Outfits und solche Dinge vollends und ich fing an, mich doch eher ungewöhnlich für einen Jungen meines Alters durchzustylen… Wie die meisten meiner Klassenkameraden (vor allem natürlich die Jungs) auf diesen neuerlichen Freakfaktor meinerseits reagierten, kann man sich leicht ausrechnen…
So gesehen war es für mich dann nur noch ein weiterer "Bonuspunkt", dass ich auch noch eine Schwuchtel war - ich aalte mich zeitweise in einer geradezu genüsslichen "Outsider-Rolle" und lebte das richtig aus: Der Ausgestoßene, der Sonderling, der einsame Rebell - ich hatte eine ausgesprochen melodramatische Phase (naja - die kommt auch heute noch ab und an immer wieder mal nach oben) und viele der Opern, die ich so gerne hörte, lieferten dazu jede Menge passende Vorbilder und einen herrlichen Soundtrack zu den großen Gefühlen, denen ich mich hingab…
Aber trotz allem - oder gerade deswegen - entwickelte sich bei mir eine ausgesprochen unantastbare "Ihr könnt mich alle mal gernhaben!"-Haltung, die vieles an blöden Sprüchen und dummen Anmachen an mir abprallen ließ. Diesen Ignoranten, die mich nicht so sein lassen wollten, wie ich wirklich bin, wollte ich keinen Triumph über mich gönnen! Ich hatte zeitweise eine Scheißwut auf viele Leute und vielleicht lag es daran, dass ich mir und meiner Linie treu geblieben bin, dass ich mich nicht habe verbiegen lassen, weil ich aus dem allen als der Sieger herausgehen wollte, der nicht klein beigegeben hat - und darauf bin ich stolz! Schließlich kann ich nichts dafür, dass ich bin, wie ich bin - ich habe das nie aus dem Antrieb gemacht, provozieren und anecken zu wollen, sondern allein aus dem Grund, weil ich ich sein wollte, so wie alle anderen auch. Dass dieses "Ich" nicht so kompatibel war wie viele andere "Ichs" war ja nun wirklich nicht meine Schuld.
Irgendwann entwickelte sich dann auch so etwas wie Stolz darauf, anders als die gesichtslose Masse zu sein und damit so etwas wie echte Individualität und Durchsetzungsvermögen zu besitzen. Spätestens zu dem Zeitpunkt war mein öffentliches Coming-out dann nur noch eine Frage der Zeit - auf dieses weitere Detail, das ich damit dann auch noch allen anderen bekannt gab, kam es nun auch nicht mehr an. Und tatsächlich hatte ich den Eindruck, dass mein "Ich bin übrigens schwul!" längst nicht die Wellen schlug, wie ich das noch ein paar Jahre zuvor befürchtet hatte - ich glaube, von mir hatten die anderen eh schon so etwas in der Art (die "Symptome" waren ja schon ziemlich eindeutig, wie ich im Nachhinein feststellen muss) oder vielleicht noch viel wildere Dinge befürchtet: "Meine Mutter ist ein Alien" - oder so was in der Art? *grins*
In all den Jahren habe ich irgendwie einen Hang zur Selbstbeobachtung und -reflektion entwickelt, der vielleicht für jemandem in meinem Alter nicht so ganz typisch ist, aber wer ständig in der großen gesichtslosen Masse mitschwimmt und dort nie heraussticht, muss ja auch nicht ab und an mal innehalten und sich fragen, warum er ist, wie er ist und was an ihm so anders ist, dass er sich von den anderen so dermaßen unterscheidet…
Im Zweifel kann es aber sicher nichts schaden, wenn man sich selbst gut kennt und sich auch ab und an mal hinterfragt und selbstkritisch auf den imaginären Prüfstand stellt - da weiß man dann wenigstens immer ganz genau, was man will, was nicht und warum…
Das Ganze wäre mir aber sicher nicht so gut gelungen, wenn ich von meiner Familie nicht immer so hundertprozentig unterstützt worden wäre - egal, welch abgefahrene Phase ich gerade mal wieder hatte (und davon gab es - gerade in Bezug auf Klamotten und Frisuren - so einige!), ich wusste, dass ich mich im Zweifel auf meine Leute verlassen konnte und dass sie hinter und zu mir standen, egal was passierte. So etwas wünsche ich wirklich jedem und jeder - es gibt keine größere Sicherheit als dieses Vertrauen!
Und im Laufe der Schulzeit habe ich dann auch noch wirklich gute und feste Freunde gefunden, auf die ich mich auch immer verlassen kann - und da sind nicht nur Mädels dabei sondern auch ein paar Jungs, die mir bewiesen haben, dass nicht alle (männlichen) Heten als echte Freunde völlig unbrauchbar sind!!! *zwinker*
Ich hatte ja schon das "Stigma" des "Mädchenverstehers" bei den anderen Jungs weg und auch die Tröstungsversuche meiner Eltern, die mir klarzumachen versuchten, dass die anderen Jungs mich um meinen Draht zu den Mädels eines Tages echt beneiden würden, nämlich dann, wenn sie selbst auch anfangen würden, sich für Mädchen zu interessieren und dann nicht wüssten, wie sie mit denen vernünftig in Kontakt treten könnten, halfen mir dabei nicht wirklich weiter. Hielten meine Eltern mich damals für besonders frühreif und damit für einen raffinierten kleinen Casanova? Ich wusste ja, dass ich mich nie so für Mädchen interessieren würde können, wie es eigentlich eines Tages von mir erwartet werden würde.
Dann war da noch mein seltsamer Musikgeschmack: Bei mir war da nix mit Hiphop, Gangsta-Rap oder Gott weiß was noch für einem Kram, den die meisten anderen Jungs ständig hörten. Und die Boygroup-Manie meiner Freundinnen konnte mich, abgesehen von einigen netten optischen Eindrücken, auch nie voll zufriedenstellen - wenngleich diese Musik auch deutlich hörbarer war, als das Zeug, was die Jungs cool fanden (ob sie das wirklich mochten oder es nur hörten, weil es "in" war, habe ich nie herausgefunden).
Ich hatte nur recht schnell gelernt, meine Musikvorlieben (klassisches Klavier, Konzerte, Barockmusik, später dann auch noch Opern aller Art) im Kreise meiner Klassenkameraden nicht weiter zu thematisieren, weil ich gemerkt hatte, dass dieser Musikgeschmack derart absonderlich und außergewöhnlich für einen Jungen meines Alters war, dass ich damit stets nur Schulterzucken und Kopfschütteln erntete (im positivsten Fall!) - es brachte einfach nichts, sich darüber mit irgendwem aus meinem schulischen Umfeld zu unterhalten. Es interessierte niemanden und ich wirkte durch meine Begeisterung dafür umso mehr wie ein weltfremder Freak… Was hätte ich damals für einen Freund gegeben, mit dem ich dieses Hobby, diese Leidenschaft für Musik gemeinsam gehabt hätte!
Mit meiner Lesebegeisterung sah es ähnlich aus - ich war zeitweise wirklich das, was man als eine typische Leseratte bezeichnen konnte, ein spannendes Buch und ich war für Stunden/ Tage nicht mehr ansprechbar… naja, zumindest das konnten einige meiner Freundinnen nachvollziehen…!
Mit 12 oder 13 erwachte dann auch noch mein Interesse für Mode, verrückte Outfits und solche Dinge vollends und ich fing an, mich doch eher ungewöhnlich für einen Jungen meines Alters durchzustylen… Wie die meisten meiner Klassenkameraden (vor allem natürlich die Jungs) auf diesen neuerlichen Freakfaktor meinerseits reagierten, kann man sich leicht ausrechnen…
So gesehen war es für mich dann nur noch ein weiterer "Bonuspunkt", dass ich auch noch eine Schwuchtel war - ich aalte mich zeitweise in einer geradezu genüsslichen "Outsider-Rolle" und lebte das richtig aus: Der Ausgestoßene, der Sonderling, der einsame Rebell - ich hatte eine ausgesprochen melodramatische Phase (naja - die kommt auch heute noch ab und an immer wieder mal nach oben) und viele der Opern, die ich so gerne hörte, lieferten dazu jede Menge passende Vorbilder und einen herrlichen Soundtrack zu den großen Gefühlen, denen ich mich hingab…
Aber trotz allem - oder gerade deswegen - entwickelte sich bei mir eine ausgesprochen unantastbare "Ihr könnt mich alle mal gernhaben!"-Haltung, die vieles an blöden Sprüchen und dummen Anmachen an mir abprallen ließ. Diesen Ignoranten, die mich nicht so sein lassen wollten, wie ich wirklich bin, wollte ich keinen Triumph über mich gönnen! Ich hatte zeitweise eine Scheißwut auf viele Leute und vielleicht lag es daran, dass ich mir und meiner Linie treu geblieben bin, dass ich mich nicht habe verbiegen lassen, weil ich aus dem allen als der Sieger herausgehen wollte, der nicht klein beigegeben hat - und darauf bin ich stolz! Schließlich kann ich nichts dafür, dass ich bin, wie ich bin - ich habe das nie aus dem Antrieb gemacht, provozieren und anecken zu wollen, sondern allein aus dem Grund, weil ich ich sein wollte, so wie alle anderen auch. Dass dieses "Ich" nicht so kompatibel war wie viele andere "Ichs" war ja nun wirklich nicht meine Schuld.
Irgendwann entwickelte sich dann auch so etwas wie Stolz darauf, anders als die gesichtslose Masse zu sein und damit so etwas wie echte Individualität und Durchsetzungsvermögen zu besitzen. Spätestens zu dem Zeitpunkt war mein öffentliches Coming-out dann nur noch eine Frage der Zeit - auf dieses weitere Detail, das ich damit dann auch noch allen anderen bekannt gab, kam es nun auch nicht mehr an. Und tatsächlich hatte ich den Eindruck, dass mein "Ich bin übrigens schwul!" längst nicht die Wellen schlug, wie ich das noch ein paar Jahre zuvor befürchtet hatte - ich glaube, von mir hatten die anderen eh schon so etwas in der Art (die "Symptome" waren ja schon ziemlich eindeutig, wie ich im Nachhinein feststellen muss) oder vielleicht noch viel wildere Dinge befürchtet: "Meine Mutter ist ein Alien" - oder so was in der Art? *grins*
In all den Jahren habe ich irgendwie einen Hang zur Selbstbeobachtung und -reflektion entwickelt, der vielleicht für jemandem in meinem Alter nicht so ganz typisch ist, aber wer ständig in der großen gesichtslosen Masse mitschwimmt und dort nie heraussticht, muss ja auch nicht ab und an mal innehalten und sich fragen, warum er ist, wie er ist und was an ihm so anders ist, dass er sich von den anderen so dermaßen unterscheidet…
Im Zweifel kann es aber sicher nichts schaden, wenn man sich selbst gut kennt und sich auch ab und an mal hinterfragt und selbstkritisch auf den imaginären Prüfstand stellt - da weiß man dann wenigstens immer ganz genau, was man will, was nicht und warum…
Das Ganze wäre mir aber sicher nicht so gut gelungen, wenn ich von meiner Familie nicht immer so hundertprozentig unterstützt worden wäre - egal, welch abgefahrene Phase ich gerade mal wieder hatte (und davon gab es - gerade in Bezug auf Klamotten und Frisuren - so einige!), ich wusste, dass ich mich im Zweifel auf meine Leute verlassen konnte und dass sie hinter und zu mir standen, egal was passierte. So etwas wünsche ich wirklich jedem und jeder - es gibt keine größere Sicherheit als dieses Vertrauen!
Und im Laufe der Schulzeit habe ich dann auch noch wirklich gute und feste Freunde gefunden, auf die ich mich auch immer verlassen kann - und da sind nicht nur Mädels dabei sondern auch ein paar Jungs, die mir bewiesen haben, dass nicht alle (männlichen) Heten als echte Freunde völlig unbrauchbar sind!!! *zwinker*
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Anders sein (Teil 1)
tolomeo, 12:35h
Gerade in den letzten Tagen sind mir die Begriffe "Anderssein", "Außenseitertum" und "Mobbing" wieder häufig begegnet - es wird ja zur Zeit wieder einmal öffentlich groß über diese Phänomene diskutiert, speziell natürlich über die besondere Situation an Schulen.
Wenn ich da an meine eigenen Erfahrungen denke, muss ich sagen, dass es zwar löblich ist, eine solche Debatte zu führen, die aber letztlich nichts oder nur sehr wenig bringt, weil sie doch nicht diejenigen erreicht, die sich hier ganz besonders angesprochen fühlen müssten.
Dass ich irgendwie "anders" bin als die Jungs in meinem Alter, habe ich schon auf der Grundschule gemerkt: Ich habe damals hauptsächlich mit den Mädchen meiner Klasse gespielt, war eher selber ein "klassisches Mädchen" (wo wir hier schon von Rollenklischees reden...!): Sensibel, ruhig, mit einer Vorliebe für Bücher, Musik und überhaupt kreative und künstlerische Tätigkeiten. Genau wie meinen Freundinnen war mir der wilde, laute und irgendwie verstörend aggressive Haufen der meisten anderen Jungs fremd, unheimlich und zuwider. Wir fanden die Jungs - ohne es jetzt so konkret in Begriffe fassen zu können - primitiv, derb, grobmotorisch, albern und zerstörerisch.
Ich fand zunächst nichts dabei, dass ich als einziger Junge in meiner Klasse zusammen mit (fast) allen Mädchen dieser Ansicht war und wir uns von diesen "Halbwilden", die lärmend auf dem Schulhof rumtobten, sich prügelten und ständig Fußball oder Basketball spielten, so gut es ging fernhielten. Für mich war das eine logische Entwicklung: Ich konnte mit denen nix anfangen, also gab ich mich mit denen ab, deren Einstellung mir viel mehr zusagte. Irgendwann fiel aber nicht nur mir auf, dass das eben ausnahmslos nur die Mädels in meiner Klasse waren. Die Mädchen selber reagierten darauf eigentlich weniger allergisch, sie waren es ja von Anfang an so gewohnt - bei den anderen Jungs war ich hingegen irgendwann komplett "unten durch", weil es mit 8 oder 9 Jahren einfach total uncool ist, sich mit den "doofen Weibern" abzugeben, die bestenfalls zum Verhauen taugten. Ich war immer total unglücklich, wenn ich zum Beispiel im Sportunterricht in der Jungenumkleide quasi ganz allein "im Feindesland" war, ohne meine Freundinnen. Die hatten es gut - sie waren völlig ungestört unter sich in ihrer eigenen Garderobe, während ich inmitten dieser Chaoten hockte! Und dann gab es im Sportunterricht häufig die völlig bescheuerte "Pauschalaufteilung": Die Jungs spielen Fußball, die Mädchen machen rhythmische Sportgymnastik (oder was auch immer…) - wie habe ich das gehasst! Während alle anderen - Männlein wie Weiblein - mit dieser ungefragten Aufteilung offenbar vollkommen zufrieden waren, fühlte ich mich in solchen Situationen immer sehr hilflos und allein gelassen: Ich wollte sowieso nicht beim Fußball mitmachen - irgendwas hierzu erklärt oder vorgemacht hatte uns auch nie jemand, das schien bei einem Haufen wilder Jungs eh nicht nötig. Wie man Fußball spielt, dass wusste ein richtiger Junge ja sowieso - das war quasi genetisch vorprogrammiert, was sollte man da noch groß erklären?
Also stand ich immer am Spielfeldrand und kam mir unbeschreiblich überflüssig und dämlich vor! Die anderen machten sich auch nie die Mühe, mich in ihr Spiel in welcher Art auch immer einzubeziehen. Sie ließen mich deutlich merken, dass ich hier fehl am Platze war und ich sie möglichst nicht stören sollte beim Kicken. So ließen wir uns gegenseitig in Ruhe, da konnte der Sportlehrer auch noch so rummotzen, wenn er sich denn überhaupt mal die Mühe machte, die Jungs beim Fußballern zu beaufsichtigen - das lief ja bequemerweise eh wie von selbst: Gib diesen "Halbwilden" einen Ball und einen Bolzplatz und sie sind für Stunden völlig glücklich und beschäftigt….!
Dass ich für Jungs eigentlich immer schon mehr empfand als es "üblich" war, dass sie mich also erotisch irgendwie ansprachen, das ist bei mir noch nie anders gewesen - und wenn, dann kann ich mich jedenfalls nicht mehr daran erinnern. Das empfand ich anfänglich natürlich als ganz normal, da mir die Vergleichsmöglichkeiten fehlten. Aber peu à peu wurde mir klar, dass da etwas mit mir nicht stimmte - überall wurde einem vorgehalten und vorgelebt, dass nur Männlein zu Weiblein gehört und nur diese sich ineinander verlieben können und dürfen: Im Fernsehen, in Märchen und Büchern, in der Familie, bei Freunden, in der Stadt - als ich irgendwann realisierte, dass ich mit meiner Vorliebe für Jungs - statt Mädels - offensichtlich von der großen Masse meiner Umwelt abwich, damit also quasi "unnormal" war, war das natürlich ein ziemlicher Schock für mich. Ich glaube, das ist leider eine elementare Erfahrung, die jeder schwule Junge macht/ machen muss: "Ich bin anders als die meisten anderen und das, was ich bin, wird wiederum von den meisten anderen abgelehnt!" Denn auch das bekommt man schnell mit und sei es zunächst nur bei den Älteren, die man in der Schule oder in der Bahn neugierig beobachtet. Die erste - und völlig natürliche - Reaktion auf diese Erkenntnis ist natürlich: Behalt es für dich! Das darf niemand je erfahren! Deine Schulkameraden nicht und deine Eltern schon gar nicht!! Und dann fühlt man sich mit diesem großen, tiefen und so furchtbar schwerwiegenden Geheimnis, das man da in sich trägt, sehr, sehr einsam und alleingelassen, weil man nicht weiß, wohin man sich wenden soll und weil man meint, dass man hier quasi zu ewigem Schweigen verurteilt ist, weil man mit der entsetzlichen Wahrheit sich selbst, aber auch die Eltern und die Geschwister, die ganze gewohnte Umwelt unwiderruflich zerstören würde. Und dann die ständige Angst, unfreiwillig durch irgendeinen dummen Zufall entdeckt, bloßgestellt und verachtet zu werden! Verachtet für etwas, für das man nichts kann, was man sich bestimmt nicht freiwillig ausgesucht hat (wer würde das in einer Gesellschaft wie dieser schon aus freien Stücken tun???) und das wie ein großer Fluch auf einem zu lasten scheint.
Ich habe mit viel Interesse im Laufe der Jahre verschiedene Coming-out-Berichte von anderen Schwulen gelesen und feststellen dürfen (oder müssen), dass es vielen, vielen anderen ganz genauso gegangen ist wie mir. Im Nachhinein ist das natürlich sehr tröstlich (und erschreckend zugleich, denn es ist natürlich schlimm, dass so viele andere diese Phase auch durchleiden müssen!), weil man sich mit diesen Erfahrungen und Ängsten nicht mehr so alleine fühlt - aber wenn man mittendrin in dieser Situation steckt, die für einen selber ja auch noch ganz neu ist, dann weiß man das ja leider noch nicht und dabei würde genau das einem doch schon so viel Trost geben - zu wissen, dass man nicht alleine mit diesem Problem dasteht! Leider ist man erst hinterher immer klüger…
Das ist leider ein Problem unserer Gesellschaft: Da wird einem allgegenwärtig die Hetero-Normalität vorgelebt und vorgegaukelt und diejenigen, die nicht in dieses allgemeingültige Raster passen und sich nicht anpassen und unterordnen können oder wollen, werden nicht berücksichtigt oder sogar fallen gelassen!
Besonders schlimm finde ich es, wenn man in Coming-out-Berichten liest, dass manch einer an dieser Sache fast zerbrochen wäre, bzw. tatsächlich daran zugrunde gegangen ist und seinem Leben ein Ende gesetzt hat. Das ist so unfair, dass ich heulen könnte, echt!
Ich bin froh, dass das bei mir nicht der Fall war, aber dazu beim nächsten Mal mehr…
Wenn ich da an meine eigenen Erfahrungen denke, muss ich sagen, dass es zwar löblich ist, eine solche Debatte zu führen, die aber letztlich nichts oder nur sehr wenig bringt, weil sie doch nicht diejenigen erreicht, die sich hier ganz besonders angesprochen fühlen müssten.
Dass ich irgendwie "anders" bin als die Jungs in meinem Alter, habe ich schon auf der Grundschule gemerkt: Ich habe damals hauptsächlich mit den Mädchen meiner Klasse gespielt, war eher selber ein "klassisches Mädchen" (wo wir hier schon von Rollenklischees reden...!): Sensibel, ruhig, mit einer Vorliebe für Bücher, Musik und überhaupt kreative und künstlerische Tätigkeiten. Genau wie meinen Freundinnen war mir der wilde, laute und irgendwie verstörend aggressive Haufen der meisten anderen Jungs fremd, unheimlich und zuwider. Wir fanden die Jungs - ohne es jetzt so konkret in Begriffe fassen zu können - primitiv, derb, grobmotorisch, albern und zerstörerisch.
Ich fand zunächst nichts dabei, dass ich als einziger Junge in meiner Klasse zusammen mit (fast) allen Mädchen dieser Ansicht war und wir uns von diesen "Halbwilden", die lärmend auf dem Schulhof rumtobten, sich prügelten und ständig Fußball oder Basketball spielten, so gut es ging fernhielten. Für mich war das eine logische Entwicklung: Ich konnte mit denen nix anfangen, also gab ich mich mit denen ab, deren Einstellung mir viel mehr zusagte. Irgendwann fiel aber nicht nur mir auf, dass das eben ausnahmslos nur die Mädels in meiner Klasse waren. Die Mädchen selber reagierten darauf eigentlich weniger allergisch, sie waren es ja von Anfang an so gewohnt - bei den anderen Jungs war ich hingegen irgendwann komplett "unten durch", weil es mit 8 oder 9 Jahren einfach total uncool ist, sich mit den "doofen Weibern" abzugeben, die bestenfalls zum Verhauen taugten. Ich war immer total unglücklich, wenn ich zum Beispiel im Sportunterricht in der Jungenumkleide quasi ganz allein "im Feindesland" war, ohne meine Freundinnen. Die hatten es gut - sie waren völlig ungestört unter sich in ihrer eigenen Garderobe, während ich inmitten dieser Chaoten hockte! Und dann gab es im Sportunterricht häufig die völlig bescheuerte "Pauschalaufteilung": Die Jungs spielen Fußball, die Mädchen machen rhythmische Sportgymnastik (oder was auch immer…) - wie habe ich das gehasst! Während alle anderen - Männlein wie Weiblein - mit dieser ungefragten Aufteilung offenbar vollkommen zufrieden waren, fühlte ich mich in solchen Situationen immer sehr hilflos und allein gelassen: Ich wollte sowieso nicht beim Fußball mitmachen - irgendwas hierzu erklärt oder vorgemacht hatte uns auch nie jemand, das schien bei einem Haufen wilder Jungs eh nicht nötig. Wie man Fußball spielt, dass wusste ein richtiger Junge ja sowieso - das war quasi genetisch vorprogrammiert, was sollte man da noch groß erklären?
Also stand ich immer am Spielfeldrand und kam mir unbeschreiblich überflüssig und dämlich vor! Die anderen machten sich auch nie die Mühe, mich in ihr Spiel in welcher Art auch immer einzubeziehen. Sie ließen mich deutlich merken, dass ich hier fehl am Platze war und ich sie möglichst nicht stören sollte beim Kicken. So ließen wir uns gegenseitig in Ruhe, da konnte der Sportlehrer auch noch so rummotzen, wenn er sich denn überhaupt mal die Mühe machte, die Jungs beim Fußballern zu beaufsichtigen - das lief ja bequemerweise eh wie von selbst: Gib diesen "Halbwilden" einen Ball und einen Bolzplatz und sie sind für Stunden völlig glücklich und beschäftigt….!
Dass ich für Jungs eigentlich immer schon mehr empfand als es "üblich" war, dass sie mich also erotisch irgendwie ansprachen, das ist bei mir noch nie anders gewesen - und wenn, dann kann ich mich jedenfalls nicht mehr daran erinnern. Das empfand ich anfänglich natürlich als ganz normal, da mir die Vergleichsmöglichkeiten fehlten. Aber peu à peu wurde mir klar, dass da etwas mit mir nicht stimmte - überall wurde einem vorgehalten und vorgelebt, dass nur Männlein zu Weiblein gehört und nur diese sich ineinander verlieben können und dürfen: Im Fernsehen, in Märchen und Büchern, in der Familie, bei Freunden, in der Stadt - als ich irgendwann realisierte, dass ich mit meiner Vorliebe für Jungs - statt Mädels - offensichtlich von der großen Masse meiner Umwelt abwich, damit also quasi "unnormal" war, war das natürlich ein ziemlicher Schock für mich. Ich glaube, das ist leider eine elementare Erfahrung, die jeder schwule Junge macht/ machen muss: "Ich bin anders als die meisten anderen und das, was ich bin, wird wiederum von den meisten anderen abgelehnt!" Denn auch das bekommt man schnell mit und sei es zunächst nur bei den Älteren, die man in der Schule oder in der Bahn neugierig beobachtet. Die erste - und völlig natürliche - Reaktion auf diese Erkenntnis ist natürlich: Behalt es für dich! Das darf niemand je erfahren! Deine Schulkameraden nicht und deine Eltern schon gar nicht!! Und dann fühlt man sich mit diesem großen, tiefen und so furchtbar schwerwiegenden Geheimnis, das man da in sich trägt, sehr, sehr einsam und alleingelassen, weil man nicht weiß, wohin man sich wenden soll und weil man meint, dass man hier quasi zu ewigem Schweigen verurteilt ist, weil man mit der entsetzlichen Wahrheit sich selbst, aber auch die Eltern und die Geschwister, die ganze gewohnte Umwelt unwiderruflich zerstören würde. Und dann die ständige Angst, unfreiwillig durch irgendeinen dummen Zufall entdeckt, bloßgestellt und verachtet zu werden! Verachtet für etwas, für das man nichts kann, was man sich bestimmt nicht freiwillig ausgesucht hat (wer würde das in einer Gesellschaft wie dieser schon aus freien Stücken tun???) und das wie ein großer Fluch auf einem zu lasten scheint.
Ich habe mit viel Interesse im Laufe der Jahre verschiedene Coming-out-Berichte von anderen Schwulen gelesen und feststellen dürfen (oder müssen), dass es vielen, vielen anderen ganz genauso gegangen ist wie mir. Im Nachhinein ist das natürlich sehr tröstlich (und erschreckend zugleich, denn es ist natürlich schlimm, dass so viele andere diese Phase auch durchleiden müssen!), weil man sich mit diesen Erfahrungen und Ängsten nicht mehr so alleine fühlt - aber wenn man mittendrin in dieser Situation steckt, die für einen selber ja auch noch ganz neu ist, dann weiß man das ja leider noch nicht und dabei würde genau das einem doch schon so viel Trost geben - zu wissen, dass man nicht alleine mit diesem Problem dasteht! Leider ist man erst hinterher immer klüger…
Das ist leider ein Problem unserer Gesellschaft: Da wird einem allgegenwärtig die Hetero-Normalität vorgelebt und vorgegaukelt und diejenigen, die nicht in dieses allgemeingültige Raster passen und sich nicht anpassen und unterordnen können oder wollen, werden nicht berücksichtigt oder sogar fallen gelassen!
Besonders schlimm finde ich es, wenn man in Coming-out-Berichten liest, dass manch einer an dieser Sache fast zerbrochen wäre, bzw. tatsächlich daran zugrunde gegangen ist und seinem Leben ein Ende gesetzt hat. Das ist so unfair, dass ich heulen könnte, echt!
Ich bin froh, dass das bei mir nicht der Fall war, aber dazu beim nächsten Mal mehr…
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Mittwoch, 11. März 2009
Klischee olé
tolomeo, 12:36h
Wenn ich mir so durchlese, was ich gestern über mich, meine Vorlieben und Dinge, die ich absolut nicht ausstehen kann, geschrieben habe, fällt mir wieder mal auf, wie viele der typischen Schwulenklischees ich doch erfülle…
Komisch eigentlich - ich habe mir schließlich weder mein Schwulsein ausgesucht und daraufhin dann meine Vorlieben und Abneigungen sorgfältig abgestimmt (damit man nur ja in die typischen Schubladen reinpasst, denn Ordnung muss ja schließlich sein, nicht wahr?), noch gewusst, was "mann" als typischer Schwuler eigentlich so zu bevorzugen und was man abzulehnen hat.
Das kam bei mir alles ganz automatisch - manche Dinge waren schon lange vor dem Zeitpunkt da, bevor ich überhaupt wusste, was "schwul sein" überhaupt bedeutet, geschweige denn, dass ich selbst mal "so einer" sein würde…
Dass ich zum Beispiel Mannschaftssportarten hasse - und überhaupt alle Sportarten, in denen irgendwas mit Bällen veranstaltet wird (was ich bitte nicht falsch verstanden wissen möchte *grins*) - ist bei mir schon so, seit ich denken kann. Erst viel später habe ich in zahlreichen Schilderungen von anderen Schwulen erfahren, dass diese Abneigung anscheinend ziemlich weit verbreitet und damit für unsere "Gattung" absolut typisch ist…
Naja, dass mein Faible für Mode, Trends und ein stylishes Outfit schon etwas eindeutiger gelagert ist und ein typisches Klischee erfüllt, das war auch mir schon relativ früh klar - entsprechende Bemerkungen gerade der anderen Jungs in meiner Klasse blieben dann auch nicht aus…
Oder meine Liebe zur (klassischen) Musik: Ich bin in einem musikalischen Elternhaus aufgewachsen (diese "Sozialisation" durch die eigene Familie ist offenbar in den meisten Fällen heutzutage der Grundstein für eine spätere Begeisterung junger Menschen für klassische Musik, wie ich gelesen habe - es gibt ja zu allem ausführliche Studien), wir haben ein Klavier zu Hause und ich war schon als Fünf- oder Sechsjähriger fasziniert von diesem Holzkasten, mit dem man so schön Musik machen konnte! Das wollte ich damals unbedingt auch können und so war es schnell klar, dass ich Klavierunterricht bekam. Das war der Beginn - das "weite Feld" der umliegenden klassischen Musik eroberte ich mir von hier aus in den folgenden Jahren quasi automatisch (Anregungen meines Klavierlehrers aber auch unserer Musiklehrerin in der Schule gaben weitere Anstöße). Und dann der erste Besuch zusammen mit meinen Eltern in der Oper (da war ich 10 Jahre alt) - was für ein unvergessliches Erlebnis! Ich war dermaßen fasziniert und begeistert, dass ich das gar nicht in Worte fassen kann.
Ich hatte soviel Spaß an dieser ganzen Sache - diese Art von Musik gefiel mir so gut, dass mir erst nach einiger Zeit auffiel, dass viele meiner Klassenkameraden mit "solcher Musik" nichts oder nur sehr wenig anfangen konnten. Das konnte ich gar nicht verstehen.
Und wiederum habe ich dann Jahre später mitbekommen, dass auch diese Liebe zu Musik und Kunst (ich bin auch ein Fan von Graphik, Design und Malerei - vor allem Jugendstil!) im Allgemeinen als typisch schwules Merkmal eingestuft wird (was ja eigentlich ziemlich albern ist - als ob Hetero-Männer sich grundsätzlich nicht für Kunst & Co. begeistern könnten!!) - ich konnte es nicht glauben: War ich so berechenbar gestrickt, dass ich mit allem unwiderruflich auf ein Dasein als Schwuler hinsteuerte? Dass das für denjenigen, der "Symptome" wie die oben beschriebenen bei mir erkannte, im Prinzip schon seit Jahren klar, worauf das alles bei mir hinauslaufen würde, noch bevor ich es selber so genau wusste?
Mein Onkel (jetzt Anfang 40, hetero) hat mir zum Beispiel nach meinem Coming-out vor fast 4 Jahren mit breitem Grinsen erzählt, dass er das seit Jahren bei mir so hat kommen sehen… (ich mag ihn trotzdem - trotz dieser unglaublich hilfreichen Bemerkung!)
Wer denkt sich eigentlich überhaupt solche albernen Zuordnungen aus? Und wie kommt so was bloß, dass man - ohne es zu wollen oder genau zu wissen - dann doch oft in so typischen Schubladen landet?
Wenn man das dann irgendwann später mal realisiert, erschrickt man sich ganz schön und ist überrascht, fasziniert und entsetzt - bei mir war es eine Mischung aus alledem. Ich habe mich irgendwie ertappt, beobachtet und so … berechenbar gefühlt. Sooo bewusst war mir das alles bis dahin noch gar nicht geworden…
Aber: Wenn ich das alles bereits vorher gewusst hätte - dass ich mich z. B. als Modefreak, Kunst- und Opernfan zumindest in meinem Alter relativ leicht und eindeutig selbst als schwul oute, ohne es dann überhaupt noch aussprechen zu müssen - hätte ich dann auf das alles verzichtet, nur um nicht unangenehm als "anders" aufzufallen und den blöden Bemerkungen vieler Mitschüler ausgesetzt zu sein?
Die Antwort lautet ganz klar: Nein! Nie und nimmer!!
Ich hätte auf soviel Schönes verzichten müssen, soviel, das mir unglaublich viel bedeutet und das mich auch geprägt hat! Der Preis für diesen Verzicht wäre zu hoch gewesen, ganz ehrlich! Und im Nachhinein bin ich froh, dass ich diese Kurve gekriegt und mich nicht den anderen zuliebe "verbogen" habe. Ich bin meiner Linie treu geblieben und habe gelernt, blöde Anmachen und dumme Sprüche zu ignorieren.
Aber dazu beim nächsten Mal mehr …
Komisch eigentlich - ich habe mir schließlich weder mein Schwulsein ausgesucht und daraufhin dann meine Vorlieben und Abneigungen sorgfältig abgestimmt (damit man nur ja in die typischen Schubladen reinpasst, denn Ordnung muss ja schließlich sein, nicht wahr?), noch gewusst, was "mann" als typischer Schwuler eigentlich so zu bevorzugen und was man abzulehnen hat.
Das kam bei mir alles ganz automatisch - manche Dinge waren schon lange vor dem Zeitpunkt da, bevor ich überhaupt wusste, was "schwul sein" überhaupt bedeutet, geschweige denn, dass ich selbst mal "so einer" sein würde…
Dass ich zum Beispiel Mannschaftssportarten hasse - und überhaupt alle Sportarten, in denen irgendwas mit Bällen veranstaltet wird (was ich bitte nicht falsch verstanden wissen möchte *grins*) - ist bei mir schon so, seit ich denken kann. Erst viel später habe ich in zahlreichen Schilderungen von anderen Schwulen erfahren, dass diese Abneigung anscheinend ziemlich weit verbreitet und damit für unsere "Gattung" absolut typisch ist…
Naja, dass mein Faible für Mode, Trends und ein stylishes Outfit schon etwas eindeutiger gelagert ist und ein typisches Klischee erfüllt, das war auch mir schon relativ früh klar - entsprechende Bemerkungen gerade der anderen Jungs in meiner Klasse blieben dann auch nicht aus…
Oder meine Liebe zur (klassischen) Musik: Ich bin in einem musikalischen Elternhaus aufgewachsen (diese "Sozialisation" durch die eigene Familie ist offenbar in den meisten Fällen heutzutage der Grundstein für eine spätere Begeisterung junger Menschen für klassische Musik, wie ich gelesen habe - es gibt ja zu allem ausführliche Studien), wir haben ein Klavier zu Hause und ich war schon als Fünf- oder Sechsjähriger fasziniert von diesem Holzkasten, mit dem man so schön Musik machen konnte! Das wollte ich damals unbedingt auch können und so war es schnell klar, dass ich Klavierunterricht bekam. Das war der Beginn - das "weite Feld" der umliegenden klassischen Musik eroberte ich mir von hier aus in den folgenden Jahren quasi automatisch (Anregungen meines Klavierlehrers aber auch unserer Musiklehrerin in der Schule gaben weitere Anstöße). Und dann der erste Besuch zusammen mit meinen Eltern in der Oper (da war ich 10 Jahre alt) - was für ein unvergessliches Erlebnis! Ich war dermaßen fasziniert und begeistert, dass ich das gar nicht in Worte fassen kann.
Ich hatte soviel Spaß an dieser ganzen Sache - diese Art von Musik gefiel mir so gut, dass mir erst nach einiger Zeit auffiel, dass viele meiner Klassenkameraden mit "solcher Musik" nichts oder nur sehr wenig anfangen konnten. Das konnte ich gar nicht verstehen.
Und wiederum habe ich dann Jahre später mitbekommen, dass auch diese Liebe zu Musik und Kunst (ich bin auch ein Fan von Graphik, Design und Malerei - vor allem Jugendstil!) im Allgemeinen als typisch schwules Merkmal eingestuft wird (was ja eigentlich ziemlich albern ist - als ob Hetero-Männer sich grundsätzlich nicht für Kunst & Co. begeistern könnten!!) - ich konnte es nicht glauben: War ich so berechenbar gestrickt, dass ich mit allem unwiderruflich auf ein Dasein als Schwuler hinsteuerte? Dass das für denjenigen, der "Symptome" wie die oben beschriebenen bei mir erkannte, im Prinzip schon seit Jahren klar, worauf das alles bei mir hinauslaufen würde, noch bevor ich es selber so genau wusste?
Mein Onkel (jetzt Anfang 40, hetero) hat mir zum Beispiel nach meinem Coming-out vor fast 4 Jahren mit breitem Grinsen erzählt, dass er das seit Jahren bei mir so hat kommen sehen… (ich mag ihn trotzdem - trotz dieser unglaublich hilfreichen Bemerkung!)
Wer denkt sich eigentlich überhaupt solche albernen Zuordnungen aus? Und wie kommt so was bloß, dass man - ohne es zu wollen oder genau zu wissen - dann doch oft in so typischen Schubladen landet?
Wenn man das dann irgendwann später mal realisiert, erschrickt man sich ganz schön und ist überrascht, fasziniert und entsetzt - bei mir war es eine Mischung aus alledem. Ich habe mich irgendwie ertappt, beobachtet und so … berechenbar gefühlt. Sooo bewusst war mir das alles bis dahin noch gar nicht geworden…
Aber: Wenn ich das alles bereits vorher gewusst hätte - dass ich mich z. B. als Modefreak, Kunst- und Opernfan zumindest in meinem Alter relativ leicht und eindeutig selbst als schwul oute, ohne es dann überhaupt noch aussprechen zu müssen - hätte ich dann auf das alles verzichtet, nur um nicht unangenehm als "anders" aufzufallen und den blöden Bemerkungen vieler Mitschüler ausgesetzt zu sein?
Die Antwort lautet ganz klar: Nein! Nie und nimmer!!
Ich hätte auf soviel Schönes verzichten müssen, soviel, das mir unglaublich viel bedeutet und das mich auch geprägt hat! Der Preis für diesen Verzicht wäre zu hoch gewesen, ganz ehrlich! Und im Nachhinein bin ich froh, dass ich diese Kurve gekriegt und mich nicht den anderen zuliebe "verbogen" habe. Ich bin meiner Linie treu geblieben und habe gelernt, blöde Anmachen und dumme Sprüche zu ignorieren.
Aber dazu beim nächsten Mal mehr …
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Dienstag, 10. März 2009
Wie bin ich?
tolomeo, 18:39h
Die Frage ist schon deutlich schwieriger zu beantworten, als das bereits erfolgte Herunterbeten von reinen Fakten.
Wenn ich mich möglichst kurz und knapp selbst beschreiben/ charakterisieren sollte, würde ich sagen, dass ich ein typischer Außenseiter bin - ein Einzelgänger, ein Freak, ein ...
Ach, ich weiß es ja auch nicht, das ist schwer zu beschreiben - mir ist halt schon früh aufgefallen, dass ich irgendwie fast immer mit meinen Vorlieben, Leidenschaften und Ansichten abseits des "Mainstreams" gestanden habe - und das ganz ohne es eigentlich zu wollen.
Also diese typische "Anti-Haltung" des klassischen Rebellen, der grundsätzlich gegen alles ist, was die Anderen gut finden, die trifft auf mich eigentlich überhaupt nicht zu. Ganz im Gegenteil: Ich hätte einiges dafür gegeben, wenn ich mal im großen, anonymen Strom meiner Mitschüler und Freunde hätte mitschwimmen können, ohne jedesmal aufzufallen oder dabei total unglücklich zu sein, weil ich immer sofort gemerkt habe, dass ich an diesem und jenem einfach keinen Spaß habe, dass ich einfach nicht "so" bin...
Ich hab das immer wieder mal versucht - und es irgendwann aufgegeben. Irgendwann war es einfach so und ich hab angefangen, Spaß daran zu finden, weitestgehend allein für mich zu stehen.
Klingt viel zu theoretisch?
Kein Problem - kann ich gerne mit konkreten Beispielen ausfüllen:
Ich liebe alle Arten von Musik, ganz besonders aber Klassik! Wenn ich Bach, Händel, Mozart, Mendelssohn oder Verdi höre (um nur ein paar meiner Favoriten zu nennen), spüre ich, wie sehr mich diese Musik anspricht und anrührt, wie viel sie mir bedeutet und wie gerne ich mich damit beschäftige.
Klassische Musik bedeutet mir oft soviel mehr als dieses oberflächliche und oft so lieblose Gedudel, was einem tagtäglich aus dem Radio entgegenblubbert!
Das ist aber leider in fast 90% der Fälle genau die Art von Musik, die meine Klassenkameraden permanent gehört haben - wie soll man da bitte eine gemeinsame Ebene finden?
Stattdessen oft nur blöde Kommentare der Anderen, im besten Fall ein Schulterzucken und genervtes Augenrollen, jaja....
Noch ein Beispiel?
Gerne.
Ich interessiere mich sehr für Mode, Stoffe, Farben, Trends, Accessoires - eben alles was da so mit dranhängt. UND DAS ALS JUNGE!
Ok - fanden einige Mädchen bei uns auf der Schule natürlich klasse, oder "süß", keine Ahnung, wie die das sonst noch genannt haben. Oft hatte ich das Gefühl, dass die mich damit sowieo nicht ernst nehmen.
Na, und die anderen Jungs? Auweia - reden wir nicht weiter drüber!
Die Reaktionen kann man sich wohl vorstellen, ohne dass ich weiter ins Detail gehen muss, oder?
Da mein Outfit im Lauf der Zeit immer auffälliger geworden ist (Trotzreaktion? Nicht nur, aber zu einem gewissen Teil sicher auch...!), ist es mit der Einstellung der anderen Typen in meiner Stufe diesbezüglich nicht gerade besser geworden, wie man sich vorstellen kann, aber ich habe auch zunehmend eine gewisse "Scheißegal"-Haltung entwickelt!
Ich lasse mich nicht unterkriegen und laufe so rum, wie ich es will!!!
Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen: Ich hasse Fußball und Ballsportarten überhaupt; ich ziehe ein gutes Buch (oder einen Konzertbesuch) einem Saufgelage "mit Kumpels" am Samstagabend bei Weitem vor; ich habe meine Freundinnen lieber beim gemeinsamen Shopping in der City neben statt sonntagmorgens unter mir, usw. usf. ...
Daher ist es wahrscheinlich ziemlich einfach, sich vorzustellen, wie die meisten meiner ehemaligen Klassenkameraden mich beschreiben würden - bin ich froh, dass die Schule endlich hinter mir liegt!!!!
Und, hey - gut, dass ich meine Freunde habe, die seit Jahren zu mir stehen, egal wie ausgeflippt und freakmäßig ich wieder mal drauf zu sein scheine:
Jenny, Piet, Lucy, Caro, Phil und Benny - I love you all!!!!
Was wäre ich ohne Euch?
Was wärt Ihr ohne mich? *zwinker*
Wenn ich mich möglichst kurz und knapp selbst beschreiben/ charakterisieren sollte, würde ich sagen, dass ich ein typischer Außenseiter bin - ein Einzelgänger, ein Freak, ein ...
Ach, ich weiß es ja auch nicht, das ist schwer zu beschreiben - mir ist halt schon früh aufgefallen, dass ich irgendwie fast immer mit meinen Vorlieben, Leidenschaften und Ansichten abseits des "Mainstreams" gestanden habe - und das ganz ohne es eigentlich zu wollen.
Also diese typische "Anti-Haltung" des klassischen Rebellen, der grundsätzlich gegen alles ist, was die Anderen gut finden, die trifft auf mich eigentlich überhaupt nicht zu. Ganz im Gegenteil: Ich hätte einiges dafür gegeben, wenn ich mal im großen, anonymen Strom meiner Mitschüler und Freunde hätte mitschwimmen können, ohne jedesmal aufzufallen oder dabei total unglücklich zu sein, weil ich immer sofort gemerkt habe, dass ich an diesem und jenem einfach keinen Spaß habe, dass ich einfach nicht "so" bin...
Ich hab das immer wieder mal versucht - und es irgendwann aufgegeben. Irgendwann war es einfach so und ich hab angefangen, Spaß daran zu finden, weitestgehend allein für mich zu stehen.
Klingt viel zu theoretisch?
Kein Problem - kann ich gerne mit konkreten Beispielen ausfüllen:
Ich liebe alle Arten von Musik, ganz besonders aber Klassik! Wenn ich Bach, Händel, Mozart, Mendelssohn oder Verdi höre (um nur ein paar meiner Favoriten zu nennen), spüre ich, wie sehr mich diese Musik anspricht und anrührt, wie viel sie mir bedeutet und wie gerne ich mich damit beschäftige.
Klassische Musik bedeutet mir oft soviel mehr als dieses oberflächliche und oft so lieblose Gedudel, was einem tagtäglich aus dem Radio entgegenblubbert!
Das ist aber leider in fast 90% der Fälle genau die Art von Musik, die meine Klassenkameraden permanent gehört haben - wie soll man da bitte eine gemeinsame Ebene finden?
Stattdessen oft nur blöde Kommentare der Anderen, im besten Fall ein Schulterzucken und genervtes Augenrollen, jaja....
Noch ein Beispiel?
Gerne.
Ich interessiere mich sehr für Mode, Stoffe, Farben, Trends, Accessoires - eben alles was da so mit dranhängt. UND DAS ALS JUNGE!
Ok - fanden einige Mädchen bei uns auf der Schule natürlich klasse, oder "süß", keine Ahnung, wie die das sonst noch genannt haben. Oft hatte ich das Gefühl, dass die mich damit sowieo nicht ernst nehmen.
Na, und die anderen Jungs? Auweia - reden wir nicht weiter drüber!
Die Reaktionen kann man sich wohl vorstellen, ohne dass ich weiter ins Detail gehen muss, oder?
Da mein Outfit im Lauf der Zeit immer auffälliger geworden ist (Trotzreaktion? Nicht nur, aber zu einem gewissen Teil sicher auch...!), ist es mit der Einstellung der anderen Typen in meiner Stufe diesbezüglich nicht gerade besser geworden, wie man sich vorstellen kann, aber ich habe auch zunehmend eine gewisse "Scheißegal"-Haltung entwickelt!
Ich lasse mich nicht unterkriegen und laufe so rum, wie ich es will!!!
Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen: Ich hasse Fußball und Ballsportarten überhaupt; ich ziehe ein gutes Buch (oder einen Konzertbesuch) einem Saufgelage "mit Kumpels" am Samstagabend bei Weitem vor; ich habe meine Freundinnen lieber beim gemeinsamen Shopping in der City neben statt sonntagmorgens unter mir, usw. usf. ...
Daher ist es wahrscheinlich ziemlich einfach, sich vorzustellen, wie die meisten meiner ehemaligen Klassenkameraden mich beschreiben würden - bin ich froh, dass die Schule endlich hinter mir liegt!!!!
Und, hey - gut, dass ich meine Freunde habe, die seit Jahren zu mir stehen, egal wie ausgeflippt und freakmäßig ich wieder mal drauf zu sein scheine:
Jenny, Piet, Lucy, Caro, Phil und Benny - I love you all!!!!
Was wäre ich ohne Euch?
Was wärt Ihr ohne mich? *zwinker*
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Wer bin ich?
tolomeo, 17:15h
Eine - zugegeben - schwierige, ja geradezu existenzielle Frage direkt zu Beginn... ich versuche sie weniger philosophisch-tiefschürfend als mehr an reinen "nackten" Fakten orientiert anzugehen, weil ich finde, es gehört sich schon aus reiner Höflichkeit, dass man sich bei Eröffnung eines Blogs wenigstens ganz kurz mal vorstellt und ein bissel was von demjenigen preisgibt, der hier permanent reintextet.
Aaaaalso:
Ich bin der Fabian, (noch) 19 Jahre alt, demnächst dann aber schon ein "Twen" und kein "Teenager" mehr - so schnell kann's gehen...

Ich wohne in Köln, bin ein richtiger, gebürtiger "Kölsche Jung" und habe letzten Sommer mein Abi gemacht.
Derzeit bin ich noch Zivi, ab dem Wintersemester 2009/10 werde ich dann hier an der altehrwürdigen (naja, mehr "alt" als "würdig", fürchte ich) Kölner Uni mein Studium beginnen.

Meine größte Leidenschaft gehört, quasi seit ich denken kann, der Literatur und der Musik! Auf beiden Feldern bin ich ziemlich vielseitig interessiert, quasi ein "Allrounder" - und über beide Gebiete werde ich demnächst sicher das ein oder andere hier hinterlassen...
Das soll erst einmal reichen - in Kürze mehr!
Aaaaalso:
Ich bin der Fabian, (noch) 19 Jahre alt, demnächst dann aber schon ein "Twen" und kein "Teenager" mehr - so schnell kann's gehen...

Ich wohne in Köln, bin ein richtiger, gebürtiger "Kölsche Jung" und habe letzten Sommer mein Abi gemacht.
Derzeit bin ich noch Zivi, ab dem Wintersemester 2009/10 werde ich dann hier an der altehrwürdigen (naja, mehr "alt" als "würdig", fürchte ich) Kölner Uni mein Studium beginnen.

Meine größte Leidenschaft gehört, quasi seit ich denken kann, der Literatur und der Musik! Auf beiden Feldern bin ich ziemlich vielseitig interessiert, quasi ein "Allrounder" - und über beide Gebiete werde ich demnächst sicher das ein oder andere hier hinterlassen...
Das soll erst einmal reichen - in Kürze mehr!
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